Wohnwagen dämmen

Wohnwagen dämmen

Wer es in seinem Oldtimer-Wohnwagen auch bei Schmuddelwetter gemütlich warm haben möchte benötigt nicht zwingend eine Heizung (die insbesondere bei kleineren Oldie-Modellen häufig gar nicht vorgesehen war), allerdings eine gute Dämmung.

Die Dämmung findet sich sowohl in den Seitenwänden als auch im Boden des Caravans. Im Laufe der Jahrzehnte kann diese insbesondere durch Wassereinbruch, Schwitzwasser oder Schädlinge in Mitleidenschaft gezogen werden.

Hier empfiehlt es sich die alte Dämmung radikal zu entfernen und durch ein geeignetes neues Dämmmaterial zu ersetzen.  Eventuelle Schäden an der Außenhaut, Verkleidung,… müssen natürlich vorab behoben werden.

Die Auswahl an Materialien die zur Dämmung angeboten werden ist sehr groß.
Aber nicht alle sind für die Dämmung eines Oldtimer-Caravans geeignet und es müssen einige Gesichtspunkte beachtet werden:

1. Gewicht

Oldtimer-Wohnwagen haben i.d.R. ein geringes Eigengewicht sowie eine geringe Zuladung. Nicht selten kommt es sogar vor, dass die kleinen Knutschkugeln bereits ohne weitere Zuladung nahe am zulässigen Gesamtgewicht sind. 
Bevor bauliche Veränderungen durchgeführt werden empfiehlt es sich deshalb mit dem Wägelchen auf die Waage zu fahren um das tatsächliche Gewicht festzustellen denn nur so kann entschieden werden, wieviel Gewichtsspielraum man bei der Renovierung hat.

Generell sollte bei der Auswahl der Materialien auf ein möglichst geringes Gewicht geachtet werden. Insbesondere das Isolierungsmaterial, das sich ja im Boden, den Wänden und ggf. der Decke befindet, macht sich durchaus beim Gewicht auf der Waage bemerkbar.

 

2. Isolierwirkung (Wärmeleitfähigkeit)

Mit der Dämmung des Oldtimer-Wohnwagens soll verhindert werden, dass im Winter zu viel Wärmeenergie aus dem Inneren des Wohnwagens nach außen bzw. im heißen Sommer zu viel Wärme von außen in das Inneres des Wohnwagens dringt.

Die für die Dämmung auf dem Markt erhältlichen Materialien besitzen eine unterschiedliche Isolierwirkung. Materialien mit geringer Wärmeleitfähigkeit reduzieren den Wärme- oder Kälteverlust.


Die Wärmeleitfähigkeit eines Materials wird durch die Wärmeleitzahl λ angegeben (kann i.d.R. der Verpackung des Dämmmaterials entnommen werden).
Je geringer der Wert der Wärmeleitfähigkeit ist, desto besser ist die Dämmwirkung.

 

3. Feuchtigkeitsaufnahme (Wasseraufnahme bzw. Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl)

Falsch gewähltes Material, welches eindringendes Wasser bzw. Schwitzwasser wie einen Schwamm aufsaugt ist eine der größten Fehlerquellen bei der Restaurierung eines Wohnwagens.

Das eingeschlossene Wasser ist Wohnwagenfeind Nummer eins! Da es nicht verdunsten kann, greift das angrenzende Material an. Durchrostungen der Außenhaut, Fäulnis an der Holzkonstruktion und Schimmelbildung von Innen sind dabei die Folgen. 

Das früher häufig verwendete Polystyrol (als Styropor bekannt) ist so ein wasserdurchlässiges Material.


Es ist zwar preislich sehr günstig und vom Gewicht sehr leicht, leitet jedoch im Fall eines Wassereinbruchs das eindringende Wasser direkt an den Kern des Aufbaus (Holzkonstruktion) weiter. Allerdings ist die Frage, ob man bei einem so starken Wassereinbruch wie beschrieben nicht sowieso ein größeres Problem hat…;-).

 

Bezüglich der Wasserdurchlässigkeit  besser geeignet, jedoch auch teuerer und auch schwerer, ist Styrodur..

Es ist deutlich stabiler und wasserundurchlässig, sodass im Fall der Fälle Holzteile in der Konstruktion besser geschützt sind.

 

Wir empfehlen auf ein Material mit geschlossenen Luftporen z.B. Hartschaumplatten = Polyurethanschaum zurück zu greifen, dass kein Wasser anzieht oder speichert. Dabei sollte man aber auch wieder ein Auge auf Gewicht und Dicke der Platten haben.

Grundsätzlich ist es auch möglich für Wände, Boden und Decke unterschiedliche Materialien mit unterschiedlichen Eigenschaften zu verwenden.
Für den Boden eignen sich z.B. Dämmplatten die in spezieller „sandwichbauweise“ hergestellt wurden und eine erhöhte Druckfestigkeit bieten.

 

 

4. Dicke

Früher war die Dicke des Materials ein Maßstab dafür, wie gut die Isolierung war. Diese einfache Rechnung gilt bei modernen Dämmmaterialien nicht mehr, denn selbst dünne Materialien verfügen häufig über einen wesentlich höheren Dämmwert als traditionelle, dickere Materialien wie z.B. Polystyrol.

Trotzdem ist die Dicke des Materials ein wichtiger Punkt bei der Restaurierung eines Oldtimer-Wohnwagens den man im Auge behalten sollte.

Denn z.B. der Aufbau des Bodens ist häufig exakt so konzipiert, dass er (inklusive Dämmung) genau passend für den Einbau der Möbel ist.


Fällt die gut gemeinte neu Isolierung des Bodens zu dick aus und der gesamte Bodenaufbau wird nur um 2-5cm höher als ursprünglich vorgesehen kann dies zur Folge haben, dass die Möbel nicht mehr Platz finden. Diese müssten aufwändig angepasst (abgeschnitten) werden.

In der Regel werden alle Dämmmaterialien in unterschiedlichen Stärken angeboten und können je nach Platzangebot ausgewählt werden.

 

5. Verarbeitbarkeit

Unterschiedliche Dämmaterialien lassen sich auch unterschiedlich verarbeiten.
Platten besitzen i.d.R. eine hohen Formstabilität aufgrund derer sie nicht zur Hohlraumdämmung geeignet sind.

Bei der Auswahl des geeigneten Dämmmaterials sollte man sich deshalb im Vorfeld Gedanken machen wo man Dämmen möchte und ob die Verarbeitung des gewählten Materials an dieser Stelle des Wohnwagens überhaupt möglich ist.

 

6. Ausdünstungen

Es gibt Dämmmaterialien die aufgrund Ihrer Ausdünstungen nur bedingt für die Dämmung eines Wohnwagens (= Dein Schlafzimmer) geeignet sind.

Mineralwolle z.B. setzt bei der Verarbeiten und Anbringen der Feinstäube frei die nicht unbedenklich für die Gesundheit sind.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, der sollte natürliche Dämmstoffe zum Einsatz bringen bzw. auf Dämmstoffe zurückgreifen, die mit einem Öko-Siegel ausgestattet sind.

 

7. Umweltverträglichkeit

In Zeiten des wachsenden ökologischen Gewissens und zunehmenden Umweltbewusstseins spielt auch die Wahl des Dämmstoffs bei der Wohnwagen-Restaurierung eine Rolle. 

So ist z.B. der Energieaufwand bei der Polyurethan-Herstellung sehr hoch und zur Produktion des Materials wird eine Menge Erdöl benötigt.
Auch die Wiederverwertbarkeit, Gesundheitsverträglichkeit und Langlebigkeit spielen bei der ganzheitlichen Betrachtung der Materialauswahl eine Rolle.

Eine attraktive Alternative sind nachwachsenden Rohstoffen wie Hanf, Schaf- oder Baumwolle, Holz- & Kokosfasern oder Flachs.
Die Gewinnung, Herstellung und Transport haben einen wesentlich geringeren Rohstoff- und Energieverbrauch sowie Luft- und Wasserverschmutzungen.
Wer diese ökologische Dämmvariante wählt muss allerdings tiefer in die Tasche greifen, da der Preis gegenüber konventionellen Dämmmaterialien wesentlich höher liegt.

Vintage-Caravan.de hat selbst noch keine Erfahrung mit der Verwendung von ökologischen Dämmstoffen und ist auch keine Langzeiterfahrung im Bereich der Wohnwagen-Restaurierung mit ökologischen Materialien bekannt. 

Gerne nehmen wir Deinen Erfahrungsbericht entgegen 🙂

 

8. Preis

Alle bisher aufgeführten Punkte führen letztendlich auch zu einer erheblichen Preisdifferenz bei den verfügbaren Dämmmaterialien.

Es liegt an Dir selbst zu entscheiden, welche Kriterien Dir wichtig sind und welche eher zu vernachlässigen und dann zu schauen, welches das für Dich am besten geeignete Material ist und was wie hoch der Preis dafür ist.

Diese Überlegung solltest Du jedoch bereits bei der Planung der Restaurierung vornehmen und die Kosten für die Dämmung auch in Deine Kalkulation einfließen lassen.