Wohnwagen „entkernen“

Wohnwagen „entkernen“

STOPP!

Ich weiss, Du möchtest das alte, muffige Interieur Deines Oldies sofort mit einem Hammer kurz und klein schlagen und alle komplett neu machen.
Aber nun ist (wie beim ganzen Projekt) Geduld gefragt, denn mit brachialer Gewalt den Wohnwagen zu entkernen kann schwere Schäden an der Substanz verursachen und für den Wiederaufbau wichtige Teile vernichten.

 

1. Schritt: Überblick verschaffen

 

Zuerst solltest Du Dir einen Überblick verschaffen, wo die offensichtlichen Schwachstellen (Durchrostungen, Wasserschäden, Schimmel, „Untermieter“,…) Deines Oldtimer-Wohnwagens sind und diese ggf. mit einem farbigen Klebeband markieren.

Hier (und meist auch im angrenzenden Bereich) MUSS auf jeden Fall Hand angelegt werden um den Schaden zu beheben.

 

 

2. Schritt: Vorhänge & Polster sichern

 

Nun ist ein guter Zeitpunkt um Vorhänge, Polster & Polsterüberzüge zu sichern.


Die möglichst unbeschädigten Originalteile dienen später als Schnittvorlage für die neuen Stoffe bzw. neuen Polster.

 

 

3. Schritt: wie ist der Unterbau?

 

Als nächstes ist es sinnvoll sich möglichst viele und detaillierte Informationen über den Aufbau Deines Wohnwagens (z.B. im Internet) zu besorgen.


Denn jeder Wohnwagen ist unterschiedlich aufgebaut: Eriba-Modelle mit Hubdach verfügen z.B. über ein Stahlrohrskelett während ein alter Tabbert über eine Holzkonstruktion als Basis verfügt.

 

 

4. Schritt: Stabilität checken

 

Ein sehr wichtiger und nicht zu verachtender Punkt der zu prüfen ist: wodurch bekommt Dein Wohnwagen seine Stabilität?

Wer diese Frage nicht im Vorfeld klären kann, der sollte sich beim Ausbau GANZ VORSICHTIG voran tasten.

Häufig erhalten die Wohnwagen die nötige Stabilität durch die eingebauten Möbel. Diese sind in der Regel per Eckverbinder mit den Wänden verbunden und untereinander sowie mit dem Boden verschraubt.
Diese direkte Verbindung mit dem Wohnwagen hat zur Folge, dass man beim Ausbau der Möbel für eine alternative Abstützung sorgen muss, bis die Möbel in den restaurierten Wohnwagen wider ein neues Zuhause finden.

Unterbleibt eine entsprechende Stützmaßnahme kann können erhebliche strukturelle Schäden entstehen (bis hin zum Zusammenklappen Deiner Knutschkugel).

Eine Alternative ist die Möbel soweit möglich an Ort und stelle zu lassen und nur dort zu entfernen, wo größere Reparaturen notwendig sind. In diesem Fall empfehlen wir die verbleibenden Möbel zu schützen (z.B. mit Luftpolsterfolie abkleben).

 

 

 

5. Schritt: dokumentieren!

 

Jetzt sind wir schon mitten drin beim Entkernen und haben einen wichtigen / den wichtigsten Punkt noch nicht angesprochen: dokumentieren, dokumentieren, dokumentieren!

Im Zeitalter von Smartphone sollte dies kein Problem sein. Die Kamera wird Dein ständiger Begleiter während der gesamten Restaurierung.
Es ist extrem wichtig jeden einzelnen Schritt zu dokumentieren und Bilder (Nahaufnahmen und Perspektivaufnahmen) zu machen um beim späteren Zusammenbau alles wieder an Ort und Stelle bringen zu können.

Abgesehen davon ist es im Rückblick schön die getane Arbeit seines Prachtstückes Familie & Freunde zeigen zu können 😉

 

 

6. Schritt: entkernen

 

Sind die Möbel entfernt kannst Du Dich (wieder vorsichtig!) weiterarbeiten und Wandverkleidung, Isolierung sowie Bodenbeläge entfernen.
Erfahrungsgemäß erwarten Dich nun neue (böse?) Überraschungen die Deinem Projekt eine ganz neue Dimension, sowohl von Aufwand als auch von Kosten, verschaffen können ;-).


„Untermieter“ (Ameisen, Käfer oder Wespen), Wasserschäden oder Roststellen gehören hier zum „Standard-Programm“.

 

 

 

7. Schritt: Material lagern!

 

Je nachdem wie großzügig Deine Platzverhältnisse sind empfehlen wir nicht alle ausgebauten Materialien sofort zu entsorgen sondern in einem Eck Deiner Werkstatt Teile des verwendeten Originalmaterials zu lagern.
So kannst Du beim späteren Wiederaufbau noch einmal Messen (z.B. die Dicke der original Isolierung) bzw. damit im Baumarkt nach einem möglichst identischen Ersatz (z.B. beim Boden) suchen.